Zwischen Wald, Politik und Punkrock

Zwischen Wald, Politik und Punkrock

Zwischen Wald, Punkrock und politischer Bildung: Das Holzrock Open Air kehrt am 31. Juli und 1. August 2026 nach Schopfheim zurück. Seit vielen Jahren verbindet das ehrenamtlich organisierte DIY-Festival alternative Musik, Subkultur und gesellschaftliche Themen im Wiesental. Neben Konzerten regionaler und internationaler Bands erwarten Besucher:innen auch Workshops, Vorträge, Ausstellungen und Kulturprogramm mitten im Sengelenwäldchen.

Autor: Andi

Zwischen Wald, Politik und Punkrock – warum das Holzrock mehr ist als nur ein Festival

Es gibt Festivals, bei denen man vor allem wegen der Headliner hingeht. Und es gibt Festivals wie das Holzrock.

Ein Wochenende im Sengelenwäldchen bei Schopfheim, irgendwo zwischen Konzerten, Kulturzelt, politischer Diskussion und langen Nächten am Feuer.

Am 31. Juli und 1. August 2026 kehrt das Holzrock Open Air erneut nach Schopfheim zurück.

Was heute wie ein fester Bestandteil der alternativen Kulturszene wirkt, begann bereits 1984 unter dem Namen „Woodrock“. Nach einem Besucheransturm Anfang der 90er wurde das Festival schließlich kleiner gedacht, regionaler organisiert und in „Holzrock“ umbenannt. Bis heute prägen DIY-Kultur, ehrenamtliches Engagement und politische Haltung das Festival.

Doch das Holzrock versteht sich nicht einfach nur als Musikfestival.

„Holzrock ist für uns längst mehr als nur ein Festivalwochenende“

Auf die Frage, was das Holzrock heute für die Menschen hinter dem Festival bedeutet, antwortet das Holzrock-Kollektiv:

„Holzrock ist für uns längst mehr als nur ein Festivalwochenende. Es ist ein Ort, an dem Menschen gemeinsam versuchen, für ein paar Tage eine andere Realität aufzubauen — geprägt von linken Werten, Solidarität, Gegenkultur und der Frage, wie wir eigentlich miteinander leben wollen.“

Viele der Beteiligten verbringen laut eigener Aussage das ganze Jahr mit Plena, Aufbauwochenenden, Küfa-Abenden und organisatorischer Arbeit. Dabei entstehen nicht nur Bühnen und Kulturprogramm, sondern auch Freundschaften, politische Diskussionen und gemeinschaftliche Strukturen.

Gleichzeitig beschreibt das Kollektiv das Festival nicht romantisch verklärt:

„Natürlich ist das nicht immer romantisch. Es ist oft anstrengend, widersprüchlich und manchmal auch überfordernd. Aber genau deshalb bedeutet es vielen so viel.“

DIY bedeutet hier mehr als „selber machen“

Organisiert wird das Holzrock komplett ehrenamtlich nach dem Prinzip „do it together“. Für das Festivalteam steckt hinter DIY deutlich mehr als nur ein Schlagwort.

„DIY heißt für uns nicht einfach ‚selber machen‘, weil’s günstiger ist. Es geht darum, Wissen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.“

Viele Menschen würden beim Holzrock zum ersten Mal Aufgaben in Bereichen wie Technik, Awareness, Booking, Moderation oder Tresenarbeit übernehmen.

Das Holzrock-Team erklärt dazu:

„Uns geht es darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen sich ausprobieren können, ohne perfekt sein zu müssen. Deshalb sagen wir inzwischen oft lieber DIT — do it together.“

Und genau das spürt man auf dem Gelände.

Zwischen den Bäumen hängen Transparente und Lichterketten, irgendwo läuft eine DragShow, daneben diskutieren Menschen über gesellschaftliche Themen, während vor der Bühne bereits der nächste Act spielt. Kinderprogramm, Workshops, Theater, Vorträge und Ausstellungen gehören hier genauso selbstverständlich dazu wie verschwitzte Konzerte.

Politik nicht nur auf der Bühne

Politik spielt beim Holzrock seit jeher eine zentrale Rolle — allerdings nicht nur in Form von Vorträgen oder Workshops.

„Politik steckt für uns nicht nur in Vorträgen oder Workshops, sondern auch darin, wie wir organisieren und miteinander umgehen.“

Das Festival beschreibt sich selbst als basisdemokratisch und möglichst antihierarchisch organisiert. Themen wie Awareness, Antisexismus, Antirassismus, Nachhaltigkeit und solidarisches Miteinander seien fester Bestandteil des Festivalalltags.

Konkret zeige sich das etwa durch vegane Küfa, solidarische Eintrittspreise, barrierearme Toiletten oder den Versuch, einen diskriminierungsfreien Raum zu schaffen.

Gleichzeitig betont das Holzrock-Kollektiv:

„Dabei geht es uns nicht darum, Menschen von oben herab zu belehren oder perfekte Antworten zu haben.“

Viel wichtiger sei es, Räume für Austausch und Diskussion zu schaffen.


Kein Festival auf Wachstumskurs

Was das Holzrock besonders von kommerziellen Festivals unterscheidet, beschreibt das Team sehr deutlich:

„Dass es nicht auf Wachstum und Profit ausgelegt ist.“

Hinter dem Festival steht keine Eventagentur, sondern ein selbstorganisiertes Kollektiv aus Menschen, die viel Freizeit in Organisation, Kulturprogramm, Technik, Awareness oder Versorgung investieren — und dabei immer wieder vor der Herausforderung stehen, genug helfende Hände zu finden.

Das Kollektiv beschreibt außerdem, dass beim Holzrock die Grenzen zwischen Publikum, Helfer:innen und Orga oft verschwimmen:

„Viele kommerzielle Festivals verkaufen inzwischen vor allem ein fertiges Erlebnis. Beim Holzrock geht es eher darum, gemeinsam etwas aufzubauen.“

Menschen würden mit aufbauen, kochen, Vorträge organisieren, Workshops gestalten oder nachts noch gemeinsam diskutieren.

Warum braucht es solche Orte heute noch?

Gerade im ländlichen Raum verschwinden laut Holzrock immer mehr nicht-kommerzielle Freiräume und selbstorganisierte Kulturorte.

„Wir glauben, dass Menschen Orte brauchen, an denen sie nicht nur Publikum sind. Orte, an denen ausprobiert, diskutiert, gestritten und gemeinsam organisiert werden kann.“

Dass genau solche Räume zunehmend unter Druck geraten, sei auch einer der Gründe, warum das Festival weiterhin an seinem solidarischen Konzept festhält.



Schwerpunkt 2026: Antimilitarisierung

Der thematische Schwerpunkt liegt dieses Jahr auf Antimilitarisierung. Im Politik- und Kulturprogramm soll es unter anderem um Kriegspropaganda, Wehrdienst und Fluchtursachen gehen.

Außerdem entsteht 2026 eine Ausstellung mit der Frage: „Was ist das Holzrock?“

Das Holzrock-Team erklärt dazu:

„Viele Menschen sehen am Ende nur zwei Tage Festival, aber nicht die Monate ehrenamtlicher Arbeit, Diskussionen und kollektiver Organisation dahinter.“

Die Ausstellung soll sichtbar machen, wie das Festival organisiert wird und warum das Kollektiv versucht, „für ein paar Tage eine kleine Utopie aufzubauen“.

Auch musikalisch bleibt das Holzrock unabhängig, vielseitig und bewusst fernab vom Mainstream — mit einem Programm, das unterschiedlichste Genres und Ausdrucksformen zusammenbringt.

Bands 2026

Freitag

  • naive ultra
  • eddie
  • parkpunk
  • alkasilka
  • berlin2.0

Samstag

  • deadlines
  • menstruenation
  • shwaggy halleluja
  • sinem
  • maladroits

Weitere Programmpunkte sollen in den kommenden Monaten folgen.


Holzrock Open Air 2026

📍 Sengelenwäldchen bei Schopfheim
📅 31.07. – 01.08.2026

🎟 Eintritt
1 Tag: 15–25 €
2 Tage: 25–40 €
(Solipreis-System)

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www.holzrock.de
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